Montagehandschuhe: Das sind die rechtlichen Grundlagen

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Wer sich mit Handschutz für Montagearbeiten beschäftigt, stolpert immer wieder über verschiedene rechtliche Fragen, Normen und Gesetze. Wie muss der Arbeitgeber meine Hand schützen? Was sagt das CE-Kennzeichen über einen Arbeitshandschuh aus? Welche Normen sind entscheidend? Und für Fortgeschrittene: wie lese ich das Piktogramm „Mechanische Gefahren“? Hier findest du die Antworten.

Diesen Schutz fordert der Gesetzgeber

Das Arbeitsschutzgesetz (s. § 3 Abs. 3 ArbSchG) regelt die gesetzliche Verpflichtung des Arbeitgebers, seine Mitarbeiter kostenlos mit Sicherheitskleidung, bzw. einer persönlichen Schutzausrüstung (PSA) auszustatten. Wann ein Unternehmen den Angestellten welche PSA zur Verfügung stellen muss, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, die der Arbeitgeber bzw. dessen Beauftragte wie z.B. die Fachkraft für Arbeitssicherheit erstellt. Schutzhandschuhe sind ein Teil der PSA und müssen daher ebenfalls kostenlos überlassen werden. Für die Kennzeichnung von Schutzhandschuhen für die Montage ist die spezifische Norm DIN EN 388 (Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken) ausschlaggebend. Ist der Schutzhandschuh nach dieser oder einer anderen für den europäischen Wirtschaftsraum harmonisierten Norm zertifiziert, darf er das CE-Kennzeichen tragen.

Das CE-Kennzeichen und was es über einen Schutzhandschuh sagt

Vorneweg: Das CE-Kennzeichen ist kein Sicherheits- sondern ein Verwaltungszeichen. Es ist dennoch für alle Produkte (also auch PSA), die unter die EU-Richtlinien fallen, Pflicht. Durch das Anbringen des Kennzeichens bestätigt der Hersteller den Marktüberwachungsbehörden, dass seine Ware den grundsätzlichen Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der EU-Richtlinien entspricht. Handschuhe werden in drei Kategorien unterteilt:

  • Kategorie 1:
    Für Arbeitshandschuhe zum Schutz vor minimalen und geringen Risiken, wie zum Beispiel Handling leichter Einzelteile, Bedienen von Maschinensteuerungen, als Schutz vor Schmutz und Staub, als Produktschutz usw. Produkte aus dieser Kategorie sollten im Arbeitsschutz (in gefährdeten Bereichen) keine Anwendung finden.

  • Kategorie 2:
    In diese Kategorie fallen alle Schutzhandschuhe, die nicht in Kategorie 1 oder 3 gehören – was einem Großteil der auf dem Markt befindlichen Produkte entspricht.

  • Kategorie 3:
    Schutzhandschuhe dieser Kategorien sollen vor tödlichen bzw. irreversiblen Gefahren schützen. Dazu zählen z. B. große Hitze (> 100 Grad), Strahlung oder Chemikalien, aber auch ein Kettensägehandschuh.

Die Norm DIN EN 388 und was sie über einen Schutzhandschuh aussagt

Bei Montagearbeiten mit Bauteilen und Maschinen sind Gefahrensituationen mit Abschürfungen, Schnitten oder Stichen an der Tagesordnung. Montagehandschuhe werden daher über die Norm DIN EN 388 für Handschuhe zum Schutz vor mechanischen Verletzungen definiert. Sie gibt Auskunft über die Schutzwirkung eines Schutzhandschuhs vor Abrieb, Schnitten, Stichen oder Rissen.

So liest du das Piktogramm „Mechanische Gefahren“

Das Piktogramm „Mechanische Gefahren“ (auch „Piktogramm Hammer“) ist fixer Bestandteil der Kennzeichnung eines nach DIN EN 388 zertifizierten Schutzhandschuhs. Es zeigt durch einen bis zu sechsstelligen Code auf einen Blick, was ein Arbeitshandschuh bezogen auf die folgenden Risiken leistet. Je höher die Ziffer, desto höher der Schutz:

1.Ziffer:  Abriebfestigkeit (Leistungsstufe 0 – 4)
2.Ziffer:  Schnittfestigkeit (Leistungsstufe 0 – 5)
3.Ziffer:  Weiterreißfestigkeit (Leistungsstufe 0 – 4)
4.Ziffer:  Durchstichfestigkeit (Leistungsstufe 0 – 4)

Seit der Neufassung EN388:2016 werden zusätzlich die folgenden Risiken geprüft:
5.Ziffer:  Schnittwiderstand nach EN ISO 13997 (Leistungsstufe A – F)
6.Ziffer (Optional:)  Schutz gegen Stoß (P)

Ein Beispiel:

Auf dem Montagehandschuh Ecomaster Velox des Metzinger Handschuhherstellers W+R INDUSTRY finden sich die DIN EN 388, das Piktogramm Hammer mit der Angabe der Leistungsstufe und das CE-Kennzeichen. Was sagt das über den Handschuh?

  • W+R gibt an, dass das Produkt den grundsätzlichen Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der EU-Richtlinien für Schutzhandschuhe (Kategorie 2) entspricht.
  • Das Modell Ecomaster Velox hat bei mindestens einem der Prüfkriterien die Mindestanforderung übertroffen und erfüllt damit die DIN EN 388 für Handschuhe zum Schutz vor mechanischen Verletzungen.
  • Der Handschuh hat bei allen vier Prüfkriterien die Mindestanforderung übertroffen und bietet somit Schutz gegen folgende Risiken:
  • Abriebfestigkeit (4 = Höchste Leistungsstufe)
  • Schnittfestigkeit (1 = Geringste Leistungsstufe
  • Weiterreißfestigkeit (2 = Mittlere Leistungsstufe)
  • Durchstichfestigkeit (1 = Geringste Leistungsstufe)

Fazit

  • Arbeitsschutzgesetz: Der Arbeitgeber muss nach Gefährdungsbeurteilung eine angemessene Persönliche Schutzausrüstung (PSA) bereitstellen
  • CE-Kennzeichnung: Schutzhandschuhe sollten je nach Gefährdungspotential mindestens Kategorie 2 haben, sie reicht für die allermeisten Gefahrensituationen
  • Die DIN EN 388 definiert Handschuhe zum Schutz vor mechanischen Verletzungen. Sie werden nach DIN EN 388 getestet und beurteilt.
  • Das Piktogramm „Mechanische Gefahren“ informiert im Rahmen von DIN EN 388 über die spezifischen Schutzmerkmale eines Handschuhs, je höher auf einer Skala von 1 bis 4 bzw. 5 (für die Prüfung nach EN ISO 13997: A - F), desto stärker der jeweilige Schutz.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, seinen Mitarbeitern eine der Aufgabe angemessene persönlichen Schutzausrüstung PSA zur Verfügung stellen. Die CE-Kennzeichnung und die DIN EN 388 mit dem Piktogramm „Mechanische Gefahren“ helfen dabei, einen geeigneten Handschutz für Montagearbeiten zu finden.

Unsere Hände sind unser wichtigstes Arbeitsmittel. Deshalb sollte es für uns immer Priorität haben, sie optimal zu schützen.

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